Insel

Luftaufnahme der Museumsinsel mit Bode-Museum im Vordergrund

Masterplan Museumsinsel

Die Museumsinsel als einzigartiges Ensemble einer Bildungslandschaft repräsentiert 100 Jahre Museumsarchitektur in der Mitte Berlins. Die Wiedervereinigung Deutschlands eröffnete die historisch einmalige Chance, die geteilten Sammlungen in Ost und West wieder zusammenzuführen. 1999 stellte die UNESCO die Museumsinsel als Weltkulturerbe unter ihren Schutz.


Für die Sanierung der Gebäude und die zeitgemäße Entwicklung des gesamten Museumsquartiers hat der Stiftungsrat 1999 einen Masterplan beschlossen. Auf einer eigens eingerichteten Website zum Masterplan Museumsinsel können Besucher einen Eindruck von der zukünftigen Gestalt der Museumsinsel gewinnen und sich über die Planungen informieren.

3D-Modell der zukünftigen Museumsinsel / (C) SPK / ART+COM, 2008
Blick in die Zukunft der Museumsinsel (von Süden): Zu sehen sind neben den fünf historischen Gebäuden das 2012 eröffnete Archäologische Zentrum, die Fläche für den Erweiterungsbau zum Bode-Museum, die geplante James-Simon-Galerie sowie das künftige Humboldt-Forum. (C) SPK / ART+COM, 2012

Zwei Aspekte sind bei der Wiederherstellung der Museumsinsel von besonderer Bedeutung: einerseits, den Charakter der historischen Ausstellungshäuser zu wahren, andererseits, sie zu einem zukunftsfähigen Museumskomplex zu entwickeln. Die Erwartungen des Publikums an die Wiederherstellung der Museumsinsel als einen symbolträchtigen Ort im Zentrum Berlins sind immens. Heute bereits über 3 Mio. Besuche jährlich, die sich nach Fertigstellung der Museen noch deutlich erhöhen werden, weisen aber auch darauf hin, wie notwendig die im Masterplan mit dem neuen Eingangsgebäude und der Archäologischen Promenade vorgesehene zusätzliche Infrastruktur ist.

Während der bisherigen Bauzeit waren nur zwei Häuser je gleichzeitig geschlossen, während in den dreien übrigen der reguläre Museumsbetrieb aufrecht erhalten blieb. Seit der Wiedereröffnung des Bode-Museums 2006 waren vier, und seit der Wiedereröffnung des Neuen Museums im Oktober 2009 (erstmals seit 1939) alle fünf Häuser wieder gleichzeitig geöffnet.

Mit der feierlichen Wiedereröffnung der Alten Nationalgalerie am 2. Dezember 2001 wurde ein erster glanzvoller Meilenstein bei der Wiederherstellung der Museumsinsel gesetzt. Die Generalsanierung des Stülerbaus nach Plänen von HG Merz konnte nach dreieinhalb Jahren unter Einhaltung des Kostenrahmens (inklusive Ersteinrichtungskosten 77 Mio. Euro) abgeschlossen werden. Das Haus beherbergt Kunst des 19. Jahrhunderts.

Das Bode-Museum wurde als zweites Haus im Oktober 2006 wieder eröffnet. Im Herbst 2005 war es nach fünfeinhalbjähriger Grundinstandsetzung schlüsselfertig an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben worden. Grundlage für die Herrichtung des Ihne-Baus war die Entwurfsplanung der Projektgemeinschaft Heinz Tesar/Wien, Christoph Fischer/Berlin. Auch sie konnte im vereinbarten Zeit- und Kostenrahmen realisiert werden. Nach seiner Neueinrichtung beherbergt das Haus heute die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst, ergänzt durch Werke der Gemäldegalerie, sowie das Münzkabinett und die Kindergalerie.

Die Wiedereröffnung des Neuen Museums fand am 16. Oktober 2009 im Beisein der Bundeskanzlerin statt. Das Haus war seit 1939 geschlossen gewesen, da es aufgrund seiner schweren Beschädigung und teilweisen Zerstörung auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder geöffnet wurde. Baubeginn war 2003. Bei dem Sanierungskonzept von David Chipperfield Architects hatte der Wiederaufbau unter Berücksichtigung der verschiedenen Erhaltungszustände des Baus Priorität. Dabei blieb die Denkmalgerechtigkeit im Sinne des UNESCO-Weltkulturerbes in vollem Umfang gewahrt. Das Neue Musem entwickelte sich während der Bauzeit auch zu einem Forschungsprojekt der Denkmalpflege. So wurden in Fachkolloquien neue Lösungsansätze, etwa bei Versalzung von Originalsubstanz und der Restaurierung von Wandmalereien, erörtert. Seit Oktober 2009 sind die Objekte der beteiligten Sammlungen (Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Museum für Vor- und Frühgeschichte, ergänzt durch Objekte der Antikensammlung) in dem Haus zu besichtigen. Auch die Büste der Nofretete hat dort ihren endgültigen Platz eingenommen.

Die Grundinstandsetzung des Pergamonmuseums begann im Oktober 2012 mit der Schließung des Nordflügels. Grundinstandsetzung und Ergänzung des Hauses erfolgen nach einem Entwurf von O. M. Ungers. Ein wesentliches Element dieses Entwurfs ist der Bau eines vierten Flügels am Kupfergraben. Dieser ermöglicht eines geschlossenen Rundgangs zu den antiken Weltarchitekturen auf der Hauptausstellungsebene, in den auch die Architekturexponate des Ägyptischen Museums eingebunden werden können. Die Hauptausstellungsebene wird in Zukunft auch von dem neuen Empfangsgebäude, der James-Simon-Galerie, direkt betretbar sein. Eingriffe in die historische Bausubstanz sind auf das notwendige Mindestmaß beschränkt. Angesichts der Größe und Komplexität des Bauprojekts wird bei der Realisierung in zwei Bauabschnitten vorgegangen werden: Nord- und Mittelflügel sollen bis 2019, Südflügel und Neubau des vierten Flügels bis 2015 abgeschlossen sein.
Bereits seit Jahren waren am Pergamonmuseum, das sich in dramatisch schlechtem Zustand befindet, fortwährend Sicherungsmaßnahmen durchgeführt worden. 2006 hatten dann Vertreter des Bundes und des Landes Berlin einstimmig die künftige Gestalt des Hauses, die Besucherführung, die Präsentationsweise der Sammlungen und der Kostenrahmen (385 Mio. Euro) festgelegt. Seitdem war die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums planerisch und bautechnisch vorbereitet worden. Dazu gehörte auch die Gesimssanierung und Fassadensicherung. Auch alle fest im Pergamonmuseum integrierten Architekturexponate sind zu restaurieren. Nachdem die Arbeiten am Pergamonfries seit 2004 abgeschlossen sind, gilt dies noch für das Markttor von Milet, die Prozessionsstraße und das Ischtar-Tor, das Aleppo-Zimmer und die Mschatta-Fassade.

Das Alte Museum ist das Stammhaus der Antikensammlung. Im Hauptgeschoss wird seit 2011 die griechische Kunst in einer Neuaufstellung gezeigt, im Obergeschoss seit 2010 eine exquisite Auswahl der etruskischen und römischen Kunst präsentiert. Für eine Interimszeit von 2005 bis Februar 2009 wurde im Obergeschoss die Sammlung des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung gezeigt. Für den Besucherandrang wurde schon damals die Infrastruktur des Alten Museums verbessert. Eine gute Grundlage bildeten dabei die bereits vorliegenden Untersuchungen zur Baugeschichte und die Entwurfsplanung des Büros Hilmer + Sattler und Albrecht zur späteren Gesamtsanierung und zum Umbau des Hauses. Die Grundinstandsetzung hat noch nicht begonnen. Zwei vorgezogene Maßnahmen wurden jedoch bereits durchgeführt: Die Freitreppe wurde saniert und die Kassettendecke der Rotunde restauriert.

Die hohen Erwartungen des Publikums an die Wiederherstellung der Museumsinsel und die Besucherschlangen zeigen, wie notwendig die im Masterplan mit dem neuen Eingangsgebäude und der Archäologischen Promenade vorgesehene zusätzliche Infrastruktur ist.

Das neue Eingangsgebäude James-Simon-Galerie soll als zentrales Besucherzentrum entscheidende Servicefunktionen für die Museumsinsel übernehmen. Sein Foyer wird die großen Besuchermengen angemessen empfangen und zu den Highlights des Hauptrundgangs über die Museumsinsel leiten. Medieninstallationen, eine Buchhandlung und ein Café werden zu den Attraktionen zählen. Im Juni 2007 stellte die Stiftung den Entwurf von David Chipperfield Architects der Öffentlichkeit vor.

Die Archäologische Promenade repräsentiert baulich das Konzept der Zusammenführung der archäologischen Sammlungen auf der Museumsinsel. Sie soll eine Verbindung zwischen Bode-Museum, Pergamonmuseum, Neuem und Altem Museum auf der Basisebene schaffen. Von all diesen Häusern betretbar, ist auch der Hauptrundgang im Pergamonmuseum schnell über sie erreichbar. In ihrer Abfolge von unterschiedlichen Räumen stellt die Archäologische Promenade eine interdisziplinäre Themenachse dar, die von allen Museen auf der Insel bestückt wird. Dadurch bietet sie Antworten auf Fragen, die der Besucher übergreifend an die Kulturen der Antike stellt, beispielsweise zu Sprache und Schrift, Tod und dem Umgang damit, oder der Kunst des Erinnerns.

Die Entwurfsplanung für die Gestaltung der Außenanlagen auf der Museumsinsel von den Büros Levin Monsigny und Conceptlicht ist abgeschlossen und wird im Zusammenhang mit der Fertigstellung der einzelnen Häuser schrittweise realisiert. Künftig wird es möglich sein, auch außerhalb der Museumsöffnungszeiten vom Kolonnadenhof und den Höfen des Neuen Museums über geöffnete Durchgänge in den Ehrenhof des Pergamonmuseums und von dort zu den Höfen des Bode-Museums zu gelangen, ohne wie bisher Straßenraum jenseits der Insel betreten zu müssen. 2010 wurde der Kolonnadenhof wiedereröffnet, der von Alter Nationalgalerie, Neuem Museum und einem Kolonnadengang umschlossen wird.

Das Büro Polyform arbeitet seit 2003 als Mitglied der Planungsgruppe Museumsinsel an der konzeptionell-gestalterischen Entwicklung der Themenbereiche Corporate Design, Leit- und Informationssystem, Neue Medien und Baustellenkommunikation.

Im Herbst 2012 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zur Museumsinsel das Archäologische Zentrum eröffnet. Der Neubau entstand nach Plänen des Architekturbüros harris + kurrle. Es beherbergt eine archäologische Spezialbibliothek und das Zentralarchiv der Staatlichen Museen. Außerdem befinden sich dort Depots, Werkstätten und die Verwaltungen der Inselmuseen.

Das Archäologische Zentrum befindet sich auf dem insgesamt 21.000 qm großen Gelände der so genannten Museumshöfe. Ein weiterer Teil der Fläche wird derzeit für die Baulogistik der Museumsinsel genutzt. Im Februar 2005 wurde ein städtebaulicher Ideenwettbewerb für das Areal ausgelobt, das künftig zum entscheidenden Scharnier zwischen Museumsinsel, Humboldt Universität, Staatsbibliothek und Historischem Museum werden soll. Dabei wurden die Potenziale des ehemaligen Kasernengeländes für die Nutzung für ein wissenschaftlich-restauratorisches Kompetenzzentrum der Staatlichen Museen zu Berlin - das mittlerweile eröffnete Archäologische Zentrum - sowie für den Neubau eines Galeriegebäudes untersucht. Der erste Preis ging 2005 an Auer&Weber + Partner, Stuttgart / München. Der Neubau eines Galeriegebäudes soll nach Vorstellung der Stiftung und ihrer Museen als Erweiterung zum Bode-Museum dienen. Dort könnten die Werke der Alten Meister der Gemäldesammlung künftig gemeinsam mit den altmeisterlichen Skulpturen im Kontext der Museumsinsel präsentiert werden.

Zum Masterplan:
www.museumsinsel-
berlin.de

Auf der Website des BBR finden Sie Daten zu den Bauten der SPK.

 
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